Das Einmaleins des Überzeugens

Willst du überzeugend sein? Ein gutes Gespräch führen? Deine Meinung durchsetzen? Das Wort debattieren kommt aus dem Französischem und heißt ‚niederschlagen‘. Und wenn man eine Sitzung des englischen Parlaments verfolgt, dann weiß man auch, dass es nach wie vor darum geht. In Deutschland tun wir gern zivilisierter, aber schließlich ist debattieren auch hier ein Wettstreit nach gewissen Regeln. Alles andere bezeichnet man besser als Diskussion oder einfach Gespräch. Die debattieren Regeln und Tipps lassen sich nicht immer eindeutig abgrenzen, doch die Grundregeln einer Debatte sind einfach: Ein Thema, zwei Parteien, bestehend aus Einzelpersonen oder mehreren, pro und kontra. Einer gibt vor, die andere erwidert, hin und her, am Schluss gibt es ein Resümee.

 

Das Prinzip des Wohlwollens – wie ich debattiere

1. Versuche zunächst den anderen zu verstehen. Das schafft Vertrauen. Höre gut zu. Nimm die Argumente von ihrer besten Seite und gar nicht allein aus Liebenswürdigkeit, sondern weil es stärker ist. Du verstehst den anderen und deshalb kannst du ihm mit deinen noch besseren Argumenten weiterbringen. Nett, oder? Außerdem ein klarer Sieg und darauf kommt es an. Wozu sonst debattieren lernen?

2. Zum Prinzip des Wohlwollens gehört die Deeskalation. Ein glänzender Sieg, wenn jemand sich entrüstet und man ihm erklärt: „Ich merke, dass Sie das doch hier emotional sehr bewegt.“ Sehr souverän, sehr von oben herab, sehr zu empfehlen, wenn es sich anbietet.

3. Sich nicht unterbrechen lassen. Du hast dem Anderen geduldig zugehört, das kannst du jetzt in aller Bescheidenheit einfordern: „Bitte lassen Sie mich ausreden, ich habe ihnen auch zugehört.“

4. Entdecke Gemeinsamkeiten. Entweder, weil dir wirklich daran gelegen ist, oder weil es suggeriert, dass dir daran gelegen ist. Danach kannst du vom ‚gemeinsamen‘ Fundament aus in die Richtung weiter bauen, in die es dir gefällt.

 

Redestrategie

Sei aktiv. Überzeugen lebt vom Kontrast: Aufmerksam zuhören, entschieden antworten. Die Position des Kontrahenten zusammenfassen, sich selbst mundgerecht machen, und Gegenargumente präsentieren. Diese werden mit Beispielen unterfüttert. Achtung! Lieber ein gutes Argument als zwei gute und ein schlechtes! Denn das schlechte wird angegriffen werden und der Kampf darum bestimmt dann die Diskussion. Oft ist es besser, das Gute auszubreiten. Breite schwächt den Gegner, er weiß dann nicht mehr, wo er eigentlich erwidern soll. Vor allem, immer freundlich bleiben. Das ‚Richtige‘ beim anderen anerkennen und bescheiden das ‚Richtigere‘ anbieten.

 

Regeln kennen und klug missachten

Ein ungewöhnlicher Tipp, aber wertvoll. Jedes Argument muss sich auf etwas beziehen. Was gilt hier? Persönliche Erfahrung? Kann gehen, ist aber relativ. Wissenschaftliche Erkenntnisse? Sind gerade bei grundsätzlichen Fragen oft umstritten. Autorität? Moral? Davon wird auf den meisten Seiten abgeraten, weil die Autorität der Bibel, der Kirche, des Korans, überhaupt der Tradition oft nicht geglaubt oder gewollt sei. Na und? Es kann durchaus überraschend sein und schwer zu widerlegen, wenn man sich eindeutig auf etwas aus diesem Bereich bekanntes bezieht. Warum soll es von vornherein feststehen, dass nur die Argumente gelten können, die davon ausgehen, dass es Gott nicht gibt? Wenn du der gegenteiligen Überzeugung bist und Kenntnisse hast, darfst du sie ausspielen, genauso wie jeder, der sich auf etwas anderes beruft und vielleicht nichts Wandelbareres als den Mainstream.

 

Auf Sieg spielen

Mit welchem Ziel willst du debattieren lernen? Willst du selbstsicherer werden oder den Nachbarn überzeugen, dass der Gartenzaun verrückt werden muss? Unterschiedliche Ziele, doch ähnliche Methoden. Du kannst provozieren oder herablassend auf die Metaebene wechseln – nur freundlich musst du bleiben und immer so tun, als ob es dir nur um die Sache geht. Das ist realistisch gesehen von allen debattieren Regeln die wichtigste: Bleib cool, Mann oder: Contenance, verehrte Frau.